Szene Ahrensburg

 

Möwenschiss von Jonathan

 

Dass die Kunst des Abendlandes schon seit einer Generation von Jahren an die Grenzen ihrer Progression gestoßen ist, hat sich allerspätestens bei Joseph Beuys gezeigt. In der deutschen Kunstwelt treten Darsteller auf, die keine Kunst darstellen, sondern sich selber produzieren. Zu diesen Selbstdarstellern zähle ich vorrangig Jonathan Meese, der in Ahrensburg aufgewachsen ist und der Vincent van Gough öffentlich als „ein mickriges Stück Scheiße“ bezeichnet hat. Auch grüßte Herr Meese schon mal mit „Heil Hitler!“ und weiß vermutlich gar nicht, was er da gesagt hat, denn der Hellste im Kopfe scheint der Mann aus Ahrensburg nun gerade nicht zu sein.


Was Meese sagt, tut eigentlich gar nichts zur Sache. Denn alles, was Meese von sich gibt, ist Gaga. Und was seine Werke betrifft: Jeder Depp kann so etwas zustande bringen. Sogar ich. Beispiel: Als ich nach Meeses Ausstellung „Ritter Johnny“ im Ahrensburger Marstall ein „Meese-Bild“ (siehe Abbildung oben!) als Parodie gefertigt hatte – der Arbeitsprozess hat keine Stunde gedauert – und dieses Bild, signiert mit „Johnnie Walker“, hernach ins Schaufenster einer Galerie stellen ließ, da habe ich mich vor den Laden gestellt und zugehört, was die Leute über diesen – In ihren Augen echten – „Meese“  sprachen. Ich gestehe: Vor unterdrücktem Lachen habe ich mir damals fast in die Hose gepinkelt, so komisch war das!


(Zwischen den Zeilen vermerkt: Diese Story hatte ich damals der ehemaligen Ahrensburger Zeitung als Thema angeboten, aber die Geschichte fand in der Redaktion keine Gegenliebe.)


In meinen Augen und Ohren ist Jonathan Meese nicht mal ein Nachfahre des legendären Till Eulenspiegel (was ich Joseph Beuys schon eher zugestehe). Weil Eulenspiegel schließlich wusste, was er sagte und tat. Und genau dieses bezweifle ich bei Meese. Der spricht, ohne dabei zu denken. Und was er mit seinen Händen fertigt, würde ich schon zum Sperrmüll stellen, bevor die Farbe überhaupt getrocknet ist. Im Vergleich zu solchem Trash haben Affen aus dem Zoo schon sehr viel attraktivere Bilder gemalt.


Und damit komme ich zum Highlight dieser Woche: Jonathan Meese soll in Bayreuth inszenieren, und zwar „Parsifal“, das letzte Musikdrama von Richard Wagner. Das ist vergleichbar, wie wenn der „König von Mallorca“, nämlich Jürgen „Ballermann“ Drews, in Bayreuth die Rolle des Parsifal übernehmen sollte, und zwar in einer Textfassung von Mario Barth.


Zwar ist nicht nur die Kunst, sondern auch das Theater seit langem schon auf Dekadenz ausgerichtet, aber Jonathan Meese als Regieführer in Bayreuth – das wäre nicht der Abfall der Festspiele, nein, liebe Wagner-Fans, das wäre das Ende. (Allerdings bin ich mir sicher, dass Jonathan Meese sich in Bayreuth rechtzeitig selber durch Eklat stoppt, bevor er sich dort komplett in Szene setzen kann.)


Das einzig Gute an einer Meese-Inszenierung wäre: Schlimmer kann’s danach nicht mehr kommen. Woraus dann wiederum ein neuer Anfang entstehen könnte, so wie damals am 13. August 1876, als die ersten Bayreuther Festspiele stattgefunden hatten. Mit Richard Wagner himself. Und eine Inszenierung ohne Christoph Schlingensief und ohne Evgeny Nikitin. Aber vor allen Dingen ohne Jonathan Meese, den ehemaligen Schüler der Stormarnschule, auf den diese allerdings nicht stolz zu sein braucht!

 

Sonntag, 29. Juli 2012

 
 
Erstellt auf einem Mac

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